Kael begann mit 500 Ticks – und wusste sofort: Das reicht kaum für die erste Stunde. Der erste Eindruck von seinem System war karg: Ein Gesteinsplanet, zwei weitere Planeten ohne Besitzer, kein Händler in Sicht. Das Spiel hatte ihn mit nackten Fakten begrüßt. Willkommen in MMO-20044.
Kael handelte schnell. Bergbau war nicht spannend, aber Rohstoffe brauchte man für alles. Die Forschung würde Stunden dauern, doch der Gesteinsplanet würde seitdem stündlich produzieren. Klein, aber stetig. Einige Stunden später besiedelte er den zweiten freien Planeten – einen Ozeanplaneten. Kristalle würde er irgendwann ebenfalls brauchen. Mit zwei Planeten liefen plötzlich drei parallele Forschungen. Doch das erste, klare Ziel blieb: Antriebe erforschen. Dann reisen. Denn die Galaxie war groß. Und einsam.
Bevor Kael das System zum ersten Mal verließ, schickte er eine Erkundungssonde auf die Reise. 100 Ticks, kein Risiko, kein Pilot an Bord. Das Ziel: System Menkib, acht Einheiten entfernt. Die Sonde brauchte etwa dreißig Minuten. Das Ergebnis: zwei freie Planeten, einer davon ein Ozeanplanet. Gut genug. Kael buchte die Reise. Mit Basisantrieben würde die Strecke mehrere Stunden dauern.
Irgendwo auf halber Strecke erschien der Händler im globalen Chat: "Arcturus, sucht Kristalle, bietet Artefakte." Kael war unterwegs und hatte sowieso nicht genug Kristalle. Doch etwas an dieser Meldung ließ ihn zögern. Ein Gefühl. Ein Schatten im Chat.
In Menkib war der Ozeanplanet bereits besiedelt. Jemand war schneller gewesen. Der Gasplanet war noch frei – Kael besiedelte ihn trotzdem. Doch dann der Schock: Die Sonde lieferte nur den Stand zur Zeit der Erkundung, nicht den aktuellen Zustand. Hatte er das überlesen? Ein Fehler, der ihn später fast das Spiel kosten würde.
Kael hatte zu lange gewartet. Über 8.000 Ticks angesammelt, nichts ausgegeben, keine Reise geplant. Ein klassischer Anfängerfehler. Dann kam die Meldung im Chat – kurz, sachlich, eiskalt: "Kaperkapt'n Vorn hat Kael überfallen und 2.490 Ticks erbeutet." Die Beute sollte sich in Alsafi befinden.
Erst kam Ärger. Wut. Dann kam der Gedanke, der alles veränderte: Alsafi war drei Systeme entfernt. Dort lag ein Schatz. Wer zuerst landete, bekam ihn. Der Pirat hatte ihm unbeabsichtigt einen Grund gegeben, sich wieder zu bewegen. Und Kael buchte sofort die Reise.
Als er in Alsafi ankam, war das System menschenleer. Kein anderer Spieler. Dafür: 1.245 Rohstoffe, 747 Kristalle, 249 Artefakte. Genug für zwei Forschungen und einen Beitrag zum Genesis-Projekt. Das System hatte außerdem einen freien Planeten. Kael besiedelte ihn sofort. Der Pirat hatte ihm einen Gefallen getan.
Die Meldung kam nachts: femur hat Genesis-Level 5 erreicht. 48 Stunden bis Saisonende. Kael hatte erst Level 3. Die investierten Rohstoffe waren weg, die Kristalle knapp. Doch die Artefakte aus Alsafi reichten noch für einen weiteren Aufstieg. Die nächsten 24 Stunden wurden zum Wettlauf gegen die Zeit. Der globale Chat lief heiß. Jemand versuchte, Kaels Planeten anzugreifen. Der Angriff scheiterte, doch die Ticks dafür waren weg.
Am Ende schloss Kael Season 1 auf Platz 4 ab. Drei Planeten, sieben Technologien, ein überstandener Piratenüberfall, ein gefundener Schatz. Nicht schlecht für den Newcomer. Doch Season 2 würde anders werden. Die Karte würde neu gewürfelt. Die Gegner wären erfahren. Und Kael? Kael fängt wieder in einem unbekannten System an. Aber diesmal mit Erfahrung.

In Season 3 sind aktuell bereits wieder 8 Spieler dabei, die um die Vorherrschaft in der Galaxie ringen. Das ist ein guter Anlass für einen Hinweis, der bisher nur am Rande gefallen ist: MMO-20044 ist Open Source.
Das Spiel gibt an bestimmten Stellen Hinweise, wenn etwas noch nicht stimmt. Wer zum Beispiel einen Gesteinsplaneten besiedelt hat, aber noch keinen Bergbau erforscht, bekommt den Hinweis direkt im Dashboard. Kein stilles Warten, keine Raterei warum die Rohstoffe nicht wachsen. Der Tipp verschwindet, sobald die passende Forschung gestartet ist.

